Existenzgründungen sind der Motor der zukünftigen Wirtschaft. Viele große Unternehmen haben mal klein angefangen. Es ist wie im richtigen Leben, Altes vergeht, Neues entsteht. Daher ist eine starke Gründungskultur zentral für die Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland. Wie sieht die Lage aktuell aus? Ein Blick in den KfW‑Gründungsmonitor 2025 gibt Aufschlüsse.
Niveau und Dynamik
2024 wurden insgesamt 585.000 Existenzgründungen gezählt, 17.000 mehr als im Vorjahr (+3 Prozent). Die Gründungsintensität stieg von 110 auf 115 Gründungen je 10.000 Erwerbsfähige (18–64 Jahre).
Für 2025 liegen erste Prognosen vor: Für die breite Existenzgründungstätigkeit (inklusive Kleingewerbe, Freiberufler etc.) erwartet das IfM Bonn eine weitere Zunahme der Gründungen gegenüber 2024. Begründet wird das mit der schwachen Konjunktur: Historisch steigen in Phasen mit schwierigem Arbeitsmarkt die gewerblichen Gründungen, weil Selbstständigkeit dann häufiger als Alternative zur abhängigen Beschäftigung gewählt wird.
Konkreter ist das Bild bei den gewerbeanzeigepflichtigen Gründungen: Nach Angaben von Destatis wurden in den ersten drei Quartalen 2025 rund 99.300 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung neu gegründet, 9,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt stieg die Zahl der Neugründungen von Gewerben in diesen drei Quartalen um 6,9 Prozent auf etwa 487.700, die Gesamtzahl der Gewerbeanmeldungen (inklusive Übernahmen, Umwandlungen, Zuzügen) legte um 5,6 Prozent auf rund 578.400 zu.
Branchen und Geschäftsmodelle
Die Gründungstätigkeit spiegelt klar die Dienstleistungsgesellschaft wider. 70 Prozent der Gründungen 2024 entfallen auf Dienstleistungen, 16 Prozent auf Handel und 14 Prozent auf das Produzierende Gewerbe. Innerhalb der Dienstleistungen dominieren wirtschaftliche Dienste (z.B. Beratung, IT, unternehmensnahe Services) mit 38 Prozent, gefolgt von persönlichen Dienstleistungen (z.B. Gesundheit, Pflege, Bildung, personenbezogene Services) mit 28 Prozent. 61 Prozent der Gründungen richten sich primär an Privatpersonen, überwiegend mit regionalem Fokus; Gründungen tragen damit wesentlich zur Versorgung und Vielfalt im lokalen und ländlichen Raum bei.
Bodenseeregion
In der Bodenseeregion entwickeln sich Gründungen robust, aber vorsichtig: Zwischen 2019 und 2023 liegt in Baden‑Württemberg wie in der Region Bodensee‑Oberschwaben durchgehend ein spürbarer Überhang an Gewerbeanmeldungen gegenüber Abmeldungen vor. Die Gründungsintensität der Region (6,8 je 1.000 Einwohner) entspricht in etwa dem Landeswert. Auffällig ist der hohe Anteil an Nebenerwerbsgründungen: 2023 wurden in der Region Bodensee‑Oberschwaben 62,2 Prozent der Neugründungen im Nebenerwerb realisiert – mehr als im Landesdurchschnitt – was auf eine eher vorsichtige, risikobewusste Gründungskultur in einem dennoch wirtschaftlich leistungsfähigen Raum schließen lässt.
Für 2024 liegen aktuell nur landesweite Zahlen vor, aber noch keine nach Stadt‑/Landkreisen differenzierten. So gab es 2024 in Baden‑Württemberg rund 77.000 Neugründungen (Gewerbebetriebe), das sind etwa 1,2% weniger als 2023.
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