02.02.2020

Warnsignale richtig deuten

Lieferanten in der Krise

© K.-U. Häßler - Fotolia.com

Der jahrelange Rückgang der Unternehmensinsolvenzen ist nach Ansicht der Experten von Creditreform in Deutschland vorerst beendet. Auch wenn Deutschland in diesem Jahr keine Pleitewelle droht, werden mehr Unternehmen als im Vorjahr in die Insolvenz schlittern. Melden wichtige Lieferanten Insolvenz an, dann kann das gravierende Folgen für das eigene Unternehmen haben. Gerät die Produktion ins Stocken, ist auch die eigene Existenz bedroht.

Warnsignale erkennen

Häufig deuten sich Lieferanteninsolvenzen im Vorfeld durch wiederholte Lieferverzögerungen, Qualitätsverluste oder Mengenreduzierungen an. Auch das Verlangen von Vorschusszahlungen kann ein erstes Warnsignal sein. Weitere Indikatoren können Personalwechsel auf der Führungsebene, Änderung der Hauptbankverbindung und das Schließen von Filialen und Niederlassungen sein. 

Lieferantenbewertung

  • Extrem Wichtig (A): Ein Ausfall dieses Lieferanten wirkt sich direkt auf Ihre Prozesse und Lieferfähigkeit aus. Damit ist der Lieferant für Sie erfolgskritisch.
  • Wichtig (B): Die gelieferten Waren oder Güter sind nicht besonders zeitkritisch und können auch bei einem anderen Lieferanten beschafft werden.
  • Austauschbar (C): Die Waren und Güter, sowie die Lieferantenbeziehung an sich sind für den eigenen Unternehmenserfolg und Qualität der Produkte unwichtig. Ein Austausch jederzeit möglich.

A-Lieferanten sollten Sie einmal im Jahr persönlich besuchen. Lassen Sie sich alles zeigen. Wie ist der Zustand der Maschinen, wie gut sind die Abläufe organisiert, welche Innovationen werden entwickelt. Informieren Sie sich über die wirtschaftlichen Verhältnisse. Ihre B und C Lieferanten können Sie weniger intensiv prüfen.

Handeln im Notfall

Bereits bei den ersten Warnsignalen ist es wichtig, die Bestände und Reichweiten zu kontrollieren. Eine kurzfristige Erhöhung der Lagerbestände kann sinnvoll sein, wenn nicht auf die Schnelle ein Ersatzlieferant zu finden ist. Stützt ein Unternehmer seinen Lieferanten und vereinbart Vorkasse, sollte ein Treuhandkonto eingerichtet werden. Bereits bestellte Ware sollte Zug um Zug bei der Lieferung bezahlt werden. Es dürfen keine Altforderungen verrechnet werden. Die Geschäfte sind sauber zu trennen.

Nicht immer lohnt es sich, die Geschäftsbeziehung fortzusetzen. Allerdings kommt man nicht so einfach aus einem Vertrag heraus. Ein Rücktritt vom Vertrag ist nur möglich, wenn der Lieferant in Verzug ist oder feststeht, dass er gar nicht liefern kann. Im schlimmsten Fall kann ansonsten der Lieferant seinen vertragsbrüchigen Auftraggeber auf Schadenersatz verklagen. Die in vielen AGB stehenden Regelungen, die dem Kunden ein Rücktrittsrecht bei Insolvenz des Lieferanten einräumen, sind in der Regel unwirksam.

Lieferanteninsolvenz – was ist zu tun?

Hat ein Lieferant einen Insolvenzantrag gestellt, müssen sofort die Ansprüche beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Bestehende Verträge können nicht gekündigt werden. Die Entscheidung darüber trifft der Insolvenzverwalter und klärt die weitere Abwicklung. Oftmals ändert sich die Bankverbindung des Lieferanten. Zahlungen müssen auf das neue Konto überwiesen werden. 

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