Wenn die Verschuldung zum Problem wird

Zombieunternehmen

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Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Eigenkapitalquote der deutschen Unternehmen 2019 im Schnitt bei 31 Prozent. Während Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeiter/innen sogar 37 Prozent haben, liegt die Eigenkapitalquote bei Betrieben mit weniger als 10 Beschäftigten bei nur 22 Prozent. Im Corona-Jahr 2020 dürfte sich das Eigenkapitalpolster jedoch erheblich reduziert haben. Im Umkehrschluss wird sich die Verschuldung erhöht haben. Die Corona-Hilfskredite haben in einigen Branchen zusätzliche Negativeffekte ausgelöst. Die Corona-Krise wird vor allem für sogenannte Zombieunternehmen zum Problem, die ihren Verschuldungsgrad ausgereizt haben und normalerweise bei einem höheren Zinsniveau längst aus dem Markt ausgeschieden wären.

Verschuldete Welt

Nach dem Corporate Debt Index des US-Fondsverwalters Janus Henderson lag die Verschuldung aller Unternehmen auf der Welt bei 7,3 Billionen Euro. VW ist weltweit die Nr. 1 mit 170 Mrd. Euro Schulden. Daimler liegt mit 133 Mrd. Euro und BMW mit 101 Mrd. Euro Schulden ebenfalls in den Top 10. Ein Grund für diese Zahlen ist auch, dass seit 2019 die neuen Finanzregeln IFRS 16 in Kraft sind. Danach müssen nun auch Leasingverbindlichkeiten als Verschuldung ausgewiesen sein. Ob eine hohe Verschuldung kritisch zu beurteilen ist, hängt von anderen Zahlen ab.

Verschuldungsvorteile

Bei gesunden Unternehmen ist eine angemessene Verschuldung aufgrund der Hebelwirkung des Fremdkapitals nicht tragisch, ja sogar betriebswirtschaftlich sinnvoll. Der sogenannte „Leverage-Effekt“ tritt ein, wenn der Fremdkapitalzinssatz niedriger ist als die Gesamtkapitalrentabilität. In der wohl noch lange andauernden Niedrigzinsphase sind die Bedingungen daher optimal, durch eine höhere Verschuldung die Eigenkapitalrendite zu erhöhen. Hinzu kommt noch die Möglichkeit, Zinsen für Unternehmenskredite von der Steuer abzusetzen. Zinsen sind Aufwand und mindern damit den steuerpflichtigen Gewinn.

Leverage-Risiko

„No risk, no fun“, dieser Spruch gilt auch beim Leverage-Effekt. Steigen nämlich die Fremdkapitalzinssätze oder sinkt die Gesamtkapitalrentabilität durch eine negative Geschäftsentwicklung wie in der aktuellen Corona-Krise, kann sich die Hebelwirkung auch schnell ins Negative kehren. Risikoaverse Mittelständler scheuen daher in der Regel eine zu starke Fremdkapitalfinanzierung. Hinzu kommt, dass sie gerne ihre Unabhängigkeit behalten möchten. Unternehmen, die am Ende gut durch die Corona-Krise kommen, werden vorsichtig sein und wieder großen Wert auf eine finanzielle Robustheit legen. Die Widerstandskraft von Unternehmen (Corporate Resilience) wird nach Corona an Bedeutung gewinnen.

Untote der Wirtschaft

Renditeschwache Unternehmen ohne zukunftsfähiges Geschäftsmodell, heute auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet, geraten in der Corona-Krise in schwieriges Fahrwasser. Erst recht, wenn sie aus den vom Lockdown betroffenen Branchen kommen. Creditreform schätzt, dass es in Deutschland rund 500.000 Zombieunternehmen gibt, die nur durch niedrige Zinssätze künstlich am Leben gehalten werden. Europaweit sollen es 10 Prozent sein. Zombieunternehmen binden Kapital und Arbeitskräfte, die anderen aufstrebenden Unternehmen fehlen. Sie verhindern damit die in einer Marktwirtschaft notwendige schöpferische Zerstörung, behindern also den Strukturwandel.

Dynamischer Verschuldungsgrad

Eine weitere wichtige Kennzahl im Zusammenhang mit der Verschuldung von Investitionen ist der dynamische Verschuldungsgrad, der im deutschen Mittelstand nach Angaben von Statista im Durchschnitt 312,6 Prozent beträgt. Das bedeutet, dass die Tilgungsdauer bei einem gleichbleibenden, aus einer Investition stammenden Cashflow 3,12 Jahre beträgt. Je niedriger, desto besser!

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