Corona vernichtet Unternehmenswerte

Schnäppchenjagd

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Die Corona-Krise hat auch den Markt für Fusionen und Übernahmen (M & A) in Deutschland getroffen. Das Volumen ist 2020 insgesamt zurückgegangen, Experten schätzen um 15 bis 20 Prozent. Doch der Markt ist gespalten. Es gibt Gewinner und Verlierer. Auf der Sonnenseite stehen z. B. Online-Händler und Branchen wie IT, Software, Robotik, Pharma und Gesundheit. Umsätze und Unternehmenswerte steigen in diesen Branchen. Bei den Verlierern sinken dagegen die Kaufpreise.

Investoren mit gefüllter Kasse können in den nächsten Monaten auf Schnäppchenjagd gehen. Krisen sind gute Kaufzeiten. Die Preise für in Not geratene Mittelständler mit ausreichender Substanz werden vermutlich in den nächsten Monaten weiter in den Keller rauschen, je nachdem wie lange der Lockdown anhält. Neben angelsächsischen Käufern (z. B. Fonds wie BlackRock) dürften auch chinesische Investoren wieder steigendes Interesse am deutschen Mittelstand zeigen, nachdem Sie in den letzten drei Jahren auffällig zurückhaltend waren.

Branchenverlierer

Von Corona stark getroffenen sind alle Unternehmen aus den „Kontaktbranchen“. Dazu gehören Restaurants, Hotels, Einzelhandel und Event- und Kulturbranche. Umsatzeinbrüche verzeichnen mittlerweile aber auch Handwerker, Arztpraxen, Apotheker, Speditionen und die Automobilzulieferer, die aufgrund der politisch gewollten E-Mobilität noch vor ganz anderen Veränderungsprozessen stehen.

Für internationale Investoren besonders interessant sind der mittelgroße und gehobene Mittelstand. Kleinere Betriebe, wie z. B. Hotels oder Gastronomie in guten Stadtlagen, könnten ins Visier nationaler Investoren und größerer Wettbewerber geraten. Durch das Rost der öffentlichen Fördermittel fallen bisher vor allem die größeren Mittelständler. Während Konzerne wie TUI und Lufthansa großzügige Staatshilfen erhalten, gehen Mittelständler wie die Hotelkette Motel One weitgehend leer aus. Ihr Chef, Dieter Müller, berichtet in einem Interview mit der Wirtschaftswoche freimütig, dass sein Unternehmen mit 75 Hotels, 2100 Mitarbeiter/innen, 166 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2019, einen Verlust von 100 Mio. Euro erwartet und viele Arbeitsplätze in Gefahr sind. Die 50.000 Euro Anzahlung aus der Novemberhilfe waren für ihn nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Der Druck im Kessel nimmt zu. Die Zahl der Firmeninsolvenzen steigt. Allein in der Modebranche hat es so bekannte Marken wie Gerry Weber, Adler, Ahlers, Escada, Strenesse und René Lezard getroffen. In der Gastronomie sind es z. B. Vapiano und Maredo, im Handel z. B. Hussel. Viele dieser Unternehmen hatten bereits vor Corona wackelige Geschäftsmodelle. Von den Unternehmen, denen es vor Corona noch einigermaßen gut ging, die aber 2020 in Schwierigkeiten geraten sind, werden wohl noch einige Insolvenz anmelden und eine Eigenverwaltung nach altem Recht anstreben. Das gibt liquiden Investoren Zeit, um in Ruhe zu sondieren.

Gewerbeimmobilien

Die Schockwellen von Zahlungsschwierigkeiten und Insolvenzen wird aber auch andere Märkte erreichen, weil die Wirtschaft ein fragiles Geflecht von Lieferketten und Anhängigkeiten ist. So werden z. B. die Eigentümer von Gewerbeimmobilien in den Innenstadtlagen die Auswirkungen auch bald spüren, wenn Mieten nicht mehr gezahlt werden können und wollen, weil Läden und Gastronomie geschlossen haben und Homeoffice forciert wird.

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