Die Schlagzahl erhöht sich wieder

Betriebsprüfungen

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In der Corona-Krise haben viele Finanzämter weniger geprüft. Doch allmählich erhöht sich die Schlagzahl bei den Betriebsprüfungen. Nach der Pandemie wird nicht nur mehr, sondern auch anders geprüft. Die Prüfung wird effektiver und die Prüfer dürften sich auf Schwerpunkte konzentrieren, bei denen sie besonders hohe Steuerausfallrisiken sehen. Schließlich müssen auch die hohen Corona-Ausgaben wieder hereingeholt werden.

Prüfungsschwerpunkte

Ein besonderes Augenmerk legen die Prüfer auf die Einkommenserzielungsabsicht. Werden über mehrere Jahre Verluste erwirtschaftet, vermutet das Finanzamt das Fehlen einer Einkommenserzielungsabsicht und unterstellt eine private Veranlassung. Vor allem Geschäftsmodelle im Bereich Musik, Kunst, Sport etc., die im Nebenerwerb betrieben und deren Verluste mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden, sind betroffen. Auch der Bereich Vermietung und Verpachtung (auch Ferienimmobilien) gehört dazu.

Besonders ins Visier geraten dürften auch die bargeldintensiven Branchen wie Bäckerei, Gastronomie, Frisör und Taxiunternehmen. Die Kassen stehen unter besonderer Beobachtung. Sind die Abrechnungen nicht plausibel oder fehlerhaft, kann es schnell ungemütlich werden, denn der Argwohn der Prüfer ist groß, dass Cash-Beträge an der Steuer vorbeigeschleust werden. Schnell führt dies zu einer Prüfungsanordnung für Umsatzsteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer, die nicht selten hohe Steuernachzahlungen nach sich zieht.

Ein weiteres Top-Thema ist die private Nutzung von Firmenfahrzeugen. Die Prüfer schauen sich genau die Fahrtenbücher an. Ungemach droht auch bei der pauschalen 1-Prozent-Besteuerung für die Privatnutzung. Wer Extras wie Ledersitze oder Infotainment-Systeme aus dem Bruttolistenpreis herausnimmt, um die Besteuerungsgrundlage zu verringern, fällt leicht auf. Über die Fahrzeugidentitätsnummer können die Prüfer die Ausstattung des Fahrzeugs abfragen.

Ein Prüfungsschwerpunkt bei GmbHs ist das Vertragsverhältnis zum GmbH-Gesellschafter. Sämtliche Verträge, Geschäftsvorgänge und Geldtransfers zwischen der GmbH und seinem Gesellschaft-Geschäftsführer werden akribisch geprüft. Sie müssen üblich sein und einem Drittvergleich standhalten. Es geht um die Angemessenheit der Bezüge, die Nutzung eines Firmenwagens, Pensionszusagen, Änderungen der Gesellschaftsverhältnisse etc. Vor der Prüfung sind sämtliche Verträge genau zu prüfen. Falsche oder fehlende Vereinbarungen lassen sich im Nachhinein nicht mehr heilen und können zu hohen Steuernachzahlungen führen.   

Bei Konzernen und verbundenen Unternehmen legen die Prüfer ein besonderes Augenmerk auf die internen Verrechnungspreise. Sie sind ein beliebtes Instrument, um Gewinne in Niedrigsteuerländer zu verschieben, indem z. B. ein ausländisches Tochterunternehmen zu überhöhten Preisen Waren oder Dienstleistungen für ein inländisches Unternehmen erbringt.   

Software IDEA

Das Finanzamt rüstet im digitalen Zeitalter auf. Eingesetzt wird eine leistungsfähige Software, die Plausibilitätstests im Branchenvergleich ermöglicht und Manipulationen schnell aufdeckt.

Prüfungsanlässe

Eine Prüfungsanordnung kann rein zufällig erfolgen. Häufig sind es jedoch Auffälligkeiten, wie z. B. häufige Änderungen von Umsatzsteuervoranmeldungen und nicht nachvollziehbare Steuererklärungen. Auch Sonderanlässe wie Gesellschafterwechsel, Betriebsaufgabe, Umwandlung, Empfang von Fördermitteln oder größere Bautätigkeiten rufen die Prüfer auf den Plan.

Bei Erscheinen des Prüfers sollten Sie sich möglichst kooperativ zeigen. Stellen Sie ihm gut aufbereitete Unterlagen zusammen. Am Ende der Prüfung gibt es das Abschlussgespräch und den Prüfbericht.

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