Ende des US-Dollars als Weltleitwährung?

Digitale Sonderziehungsrechte

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Die Sonderziehungsrechte (engl.: Special Drawing Rights) des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind bisher nur Spezialisten bekannt. Nun kursieren in der Finanzwelt Gerüchte, dass digitale Sonderziehungsrechte demnächst den Dollar als Weltreservewährung ablösen könnten. Was steckt dahinter?

Bretton Woods - Dollardominanz seit 1948

Seit dem zweiten Weltkrieg, aus dem die USA als neue Supermacht hervorgegangen sind, dominiert der Dollar als Handels- und Reservewährung den Weltmarkt. Die Grundlagen dafür wurden im Juli 1948 bei einer internationalen Währungskonferenz in Bretton Woods gelegt. Die USA setzten sich dabei mit ihrem Vorschlag gegen die Idee des englischen Star-Ökonomen John Maynard Keynes durch. Er schlug eine neue Weltwährung namens Bancor vor. Stattdessen wurde der Dollar mit einer Goldteilreserve zur Leitwährung ernannt. Alle übrigen Währungen wurden mit festen Wechselkursen an den Dollar gebunden.

Zur Finanzierung vor allem des Vietnam-Krieges haben die USA aber immer mehr Dollar gedruckt, so dass der Wert der Dollarreserven anderer Länder immer geringer wurde. Als die anderen Staaten das merkten, tauschten sie ihre Dollars gegen das in Fort Knox gelagerte US-Gold ein. Frankreichs damaliger Staatspräsident Charles de Gaulle schickte sogar seine Marine, um Gold aus New York abzuholen. Dadurch schwanden die Goldreserven der USA in bedrohlichem Ausmaß. Vor 50 Jahren, am 15.8.1971, zog US-Präsident Richard Nixon dann die Notbremse und beendete einseitig die Umtauschpflicht der USA von Dollar in Gold. Seitdem sind der Dollar und alle übrigen Währungen nicht mehr goldgedeckt. Sie basieren nur auf Vertrauen. Man spricht auch von Fiat-Geld, das dann aus dem Nichts geschaffen werden kann (von lat. fiat = „es werde“).

Sonderziehungsrechte seit 1969

Aus Angst davor, dass der US-Dollar ohne Golddeckung Vertrauen verlieren könnte, wurden 1969 die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) als neues Reservemedium geschaffen. Die USA konnten die Dominanz ihres Dollars jedoch durch einen gewieften Schachzug 1972/73 bis heute mehr oder weniger aufrechterhalten. Unter Federführung des späteren US-Außenministers Henry Kissinger schlossen die USA mit Saudi-Arabien eine wegweisende Vereinbarung. Saudi-Arabien verpflichtete sich darin, alle Öl-Lieferungen nur noch in US-Dollar abzuschließen. Im Gegenzug versprachen die USA militärische Protektion des saudischen Königshauses. Seitdem spricht man auch vom Petro-Dollar. 

China fordert Änderungen

Mit dem Aufstieg von China in den letzten drei Jahrzehnten zur neuen ökonomischen Supermacht ist jedoch diese Dollardominanz in die Kritik geraten. Denn wer die Weltleitwährung besitzt, verfügt auch über finanzielle Macht und die Möglichkeit, sich in der eigenen Währung zu verschulden und Geld einfach zu drucken. Kein Wunder, dass China und Russland ihre Handelsgeschäfte seit einiger Zeit untereinander in der chinesischen Währung Renminbi fakturieren. Auch die EU strebt eine Unabhängigkeit vom Dollar an. China fordert daher seit langem eine neue vom Dollar unabhängige Weltleitwährung. Da die Chinesen mit rund 1,1 Billionen US-Dollar auch der größte Gläubiger der USA sind, haben ihre Forderungen Gewicht.

Die Rolle einer neuen globalen Handels- und Reservewährung könnten nach Meinung vieler Ökonomen und auch des World Economic Forums (WEF) die bisher eher schlummernden Sonderziehungsrechte übernehmen, und zwar in einer digitalen Variante als e-SDR. Auf Druck Chinas taucht seit 2016 auch der Renminbi im SZR-Währungskorb auf. Die Gewichtung ist aktuell so: 42 % Dollar, 31 % Euro, 11 % Renminbi, 8 % Yen und 8 % Pfund. Beim WEF wurde bereits Anfang 2020 ein Digital Currency Governance Consortium (DCGC), in dem 80 internationale Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik eingebunden sind, ins Leben gerufen. Auch die jetzige IWF-Chefin Kristalina Georgiewa forderte bereits letztes Jahr einen neuen Bretton Woods Moment. Es scheint einiges hinter den Kulissen zu passieren.

Vielleicht kommt ja mit fast acht Jahrzehnten Verspätung bald doch noch das Weltgeld Bancor von John Maynard Keynes zum Einsatz. Bis zum August 2021 wurden jedenfalls nur rund 280 Mrd. US-Dollar zusätzliche Liquidität durch den IWF geschaffen, um z. B. 2009 die globale Finanzkrise abzufedern. Am 23.8.21 wurde jedoch vom IWF eine neue Tranche von unglaublichen 650 Mrd. US-Dollar „gezogen“. Davon sollen 250 Mrd. an Schwellen- und Entwicklungsländer gehen. An wen die übrigen 400 Mrd. US-Dollar fließen, darüber schweigt der IWF. Es bleibt spannend.

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