04.10.2019

Diese Kriterien entscheiden

Scheinselbstständigkeit

© pathdoc - stock.adobe

Unternehmen werden im Vierjahresrhythmus von der deutschen Rentenversicherung geprüft. Ein besonderes Augenmerk legen die Prüfer auf die Beschäftigung von sogenannten „freien Mitarbeitern“ oder anderen Einzelunternehmern. Diese stemmen als Selbstständige z. B. komplexe IT-Projekte gegen Rechnung. Das ist für die Auftraggeber unter dem Strich flexibler, risikoärmer und oftmals auch kostengünstiger, da für diese Personen keine Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen sind. Doch Vorsicht: Deckt der Prüfer Ungereimtheiten auf, dann haben Sie anschließend mehr Angestellte als gedacht. Hohe Nachzahlungen drohen.    

Problem Scheinselbstständigkeit

Als Arbeitgeber/in müssen Sie für Ihre Arbeitnehmer/innen Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge abführen, darüber hinaus rund 50 % der Sozialversicherungsbeiträge selbst tragen. Bei den 450-Euro-Jobs müssen Sie die pauschale Lohnsteuer übernehmen. Deckt der Prüfer ein scheinselbständiges Arbeitsverhältnis auf, müssen Sie sowohl den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmeranteil für die Sozialversicherung der letzten vier Jahre nachzahlen. Stellt das Finanzamt eine abhängige Beschäftigung fest, fällt rückwirkend Lohnsteuer an. Im Falle von Vorsatz drohen sogar Geldbußen oder Freiheitsstrafe. Solche Risiken sollten Sie unbedingt minimieren.

Hinweis auf Scheinselbstständigkeit

Im Konfliktfall liegt die Beweislast beim Sozialversicherungsträger bzw. seinem Betriebsprüfer. Er muss dann für jeden Ihrer Auftragnehmer nachweisen, dass Scheinselbstständigkeit vorliegt. Anhaltspunkte ist eine Tätigkeit, die nach Weisungen und Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers erfolgt. Am besten, Sie nehmen zunächst eine „Vorprüfung“ vor. Diese Punkte bieten eine gute Orientierung:

  1. Die Person (der freie Mitarbeitende/Auftragnehmer) beschäftigt selbst regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer.
  2. Die Person ist auf Dauer nur für Sie tätig bzw. erzielt mindestens 5/6 des Umsatzes durch Ihre Aufträge.
  3. Als Auftraggeber lassen Sie ähnliche Tätigkeiten regelmäßig durch eigene sozialversicherungspflichtige Beschäftigte erbringen.
  4. Die Tätigkeit der Person zeigt keine Merkmale unternehmerischen Handelns (kein unternehmerisches Risiko, keine freie Preisgestaltung, keine Selbstbestimmung hinsichtlich Arbeitsort, Arbeitszeiten, Inhalt oder Organisation der Tätigkeit, kein eigenes Marketing).
  5. Als Auftraggeber haben Sie dieselbe Person zuvor in ähnlicher Tätigkeit als Arbeitnehmer beschäftigt.

Treffen mehr als zwei dieser Kriterien zu, so ist das ein Hinweis auf Scheinselbstständigkeit. Jetzt wird genauer nachgeforscht.

Statusfeststellung bringt Sicherheit

Im Zweifelsfall sollten Sie für sich und Ihren Auftragnehmer eine Statusfeststellung bei der zuständigen Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung beantragen. Für mitarbeitende Angehörige sowie GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer ist dies sogar Pflicht. Wenn Ihre freien Mitarbeitenden Ihre Dienste für eine Kapitalgesellschaft anbieten, umso besser. Für GmbH´s und UG´s gibt es keine Scheinselbstständigkeit.

copyright BPF Best Practice Forum GmbH

Drucken