Maschinenbau verlagert Forschung und Entwicklung

Neue VDMA-Mitgliederbefragung

iStock, gorodenkoff

Eine neue VDMA-Mitgliederbefragung ergab, dass 69 Prozent der international aktiven Firmen ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (FuE) im Ausland weiter ausbauen wollen. Für Deutschland mit seinem Fundus an Unternehmenspatenten ist das keine gute Entwicklung.

Neue VDMA-Studie

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau, mit rund 190.000 Ingenieuren wichtigster Innovationsmotor der Volkswirtschaft, zieht seine Denkarbeit zunehmend aus dem Land ab. Das ist der Kern einer neuen Mitgliederbefragung des Branchenverbands VDMA, an der sich rund 400 Firmen beteiligt haben. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen forschen bereits außerhalb Deutschlands; bei Konzernen mit über 1.000 Beschäftigten sind es neun von zehn. Und der Trend beschleunigt sich: 69 Prozent der international aktiven Firmen wollen ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (FuE) im Ausland weiter ausbauen.

Der Sog nach Osten und Westen

Die Zielmärkte sind klar konturiert. Forschungsgelder fließen vor allem an eigene Standorte in China, Indien und den USA, ergänzt durch Österreich und die Schweiz. 40 Prozent der bereits international forschenden Betriebe erwarten, dass ihr Auslandsanteil in den kommenden fünf Jahren um rund zehn Prozentpunkte steigt, weitere knapp 40 Prozent rechnen mit einem noch stärkeren Zuwachs. Damit verschiebt sich das Gravitationszentrum der industriellen Wertschöpfung schrittweise zu Lasten von Deutschland.

China überholt Deutschland

Besonders bemerkenswert: Zum ersten Mal sehen die Befragten China als innovationsstärksten Wettbewerber. 71 Prozent nennen die Volksrepublik, nur 65 Prozent noch Deutschland. Bis 2024 lag immer Deutschland vorn. Auch bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Innovationsprozess schneiden China und die USA deutlich besser ab. „Das ist ein klares Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland“, warnt Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer.

Was in Deutschland bleibt

Ein Rest an Zuversicht bleibt: 39 Prozent der Firmen melden für dieses Jahr leicht oder deutlich steigende FuE-Aufwendungen in Deutschland, 18 Prozent geringere. Immerhin: Die Grundlagenforschung und sensibles Kernwissen verbleiben überwiegend am deutschen Stammsitz, schon aus Sorge vor einem unkontrollierten Wissensabfluss. Ins Ausland wandern dagegen vor allem die produktions- und marktnahen Entwicklungen.

Scheideweg für den Standort

Die Kombination aus hohen Energie- und Personalkosten, schwacher Konjunktur, wachsender chinesischer Innovationskraft und ausgerechnet jetzt schrumpfenden Fördertöpfen bildet ein toxisches Umfeld. Wenn Grundlagenforschung heute noch überwiegend in Deutschland stattfindet, so ist das kein Naturgesetz – sondern eine Folge historisch gewachsener Praxis und öffentlicher Anschubfinanzierung. 

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